Ein wildes Herz
Share
Der Körper einer ungezähmten Frau ist kein Objekt.
Er ist Erinnerung.
Er erinnert sich daran, wie es sich anfühlt,
barfuß über feuchte Erde zu gehen,
mit offenen Haaren im Regen zu stehen,
zu fühlen statt zu funktionieren.
Ein ungezähmter Frauenkörper ist nicht gemacht, um ständig bewertet zu werden.
Nicht gemacht für Enge.
Nicht gemacht für Anpassung.
Nicht gemacht dafür,
sich kleiner zu machen,
damit andere sich größer fühlen.
Er ist gemacht für Wahrheit.
Für Atem.
Für Instinkt.
Für dieses uralte Wissen,
das tief unter der Haut lebt.
Der weibliche Körper wusste schon immer,
wann etwas falsch ist.
Wann etwas zu laut ist.
Zu kalt.
Zu hart.
Zu eng.
Aber viele Frauen haben gelernt,
dieses Wissen zu übergehen.
Sie lächeln, obwohl ihr Bauch sich zusammenzieht.
Sie bleiben, obwohl ihr Herz längst gegangen ist.
Sie funktionieren, während ihre Seele langsam verstummt.
Eine ungezähmte Frau kehrt zurück.
Nicht zur Perfektion.
Sondern zu sich.
Sie beginnt wieder zu hören:
auf ihre Müdigkeit,
auf ihre Lust,
auf ihre Grenzen,
auf ihre Sehnsucht.
Sie beginnt, ihren Körper nicht länger zu kontrollieren, sondern mit ihm zu leben.
Und plötzlich wird aus Anpassung Präsenz.
Ihre Hüften werden wieder weich.
Ihr Blick klar.
Ihre Stimme tiefer.
Ihr Nein heilig.
Ihr Ja echt.
Der Körper einer ungezähmten Frau ist nicht still.
Er tanzt.
Er ruht.
Er blutet.
Er begehrt.
Er schützt.
Er gebärt Ideen.
Er spürt Gefahr.
Er erinnert sich.
Wie Weißdorn.
Mit weichen Blüten
und Dornen aus Wahrheit.
Denn ein wildes Herz
muss sich nicht verhärten,
um stark zu sein.